Mehr als nur einen Film anschauen...

Authentische Informationen zum Thema "Behinderung" in den 11. Klassen der BFS Sozialpflege (2004)


Mehr als nur einen Film anschauen...


... wollten die Schülerinnen und Schüler der Klassen 11c und 11d. Die angehenden Sozialbetreuer und Sozialbetreuerinnen wollten im Rahmen des Themengebiets „Behinderung" im Fach Sozialpflegerische Fachkunde authentische Informationen über die Lebensumstände behinderter Menschen bekommen.

Diese Möglichkeit bot sich im Rahmen des Projekts OBJEKTIV - Behinderung, Medien und Schule der abm - arbeitsgemeinschaft behinderung und medien (www.objektiv.abm-medien.de ). Die abm hat sich zum Ziel gesetzt, mit Hilfe von Filmen über das Leben Behinderter eine Brücke zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen zu schlagen.

So bekamen die Klassen 11c und 11d mit ihren Lehrkräften Herrn Berger und Frau Biber am 28.01.04 Besuch der abm, deren Mitarbeiter trotz Eis und Schnee von München bis nach Münnerstadt gekommen waren. Zusammen mit einem behinderten Moderator und seinem Assistenten sahen sich die Schülerinnen und Schüler den preisgekrönten Kurzfilm „Atemstunden: Leben und Werk des Mark O'Brien" an. Der Film zeigt das Leben des Dichters und Journalisten Mark O'Brien aus Berkley, California, der nach einer Polio-Infektion seit über 40 Jahren auf die Eiserne Lunge angewiesen ist. Nur ein oder zwei Mal im Monat kann er die Maschine für kurze Ausflüge ins Freie verlassen.

Der Film warf viele Fragen auf, wie z.B. nach dem Umgang mit der Abhängigkeit von anderen Menschen, nach der persönlichen Freiheit Schwerstbehinderter, nach ihren sexuellen Bedürfnissen usw. Diese Fragen wurden in einer anschließenden Diskussion in den Klassen aufgegriffen. Für alle besonders beeindruckend war die lebensbejahende Einstellung Mark O'Briens. „Die Wahrheit ist: Mark O'Brien lebt in deprimierenden Umständen, aber er ist nicht deprimierend" so Jessica Yu, die Regisseurin des Films.

Den zweiten Teil der Veranstaltung bildete das Gespräch mit dem körperbehinderten Moderator. Nach vielen theoretischen Informationen zu den Ursachen und Arten von Behinderung im Unterricht konnten die Schülerinnen und Schüler nun ihrem Bedürfnis nach Informationen aus erster Hand im Sinne „Was ich schon immer mal über das Leben behinderter Menschen wissen wollte..." nachgehen. Sehr offen und geduldig beantwortete der Moderator alle Fragen zu seiner Behinderung (Lähmung der Beine und Sprachschwierigkeiten in Folge einer seltenen Stoffwechselerkrankung), seinem beruflichen Werdegang, seinen Hobbys, seinen Erfahrungen mit Nichtbehinderten und seinen Wünschen zur Verbesserung der gesellschaftlichen Situation Behinderter. Anfängliche Berührungsängste wurden durch die lockere Art des Moderators schnell überwunden.

Der Film und die anschließenden Gespräche boten den Schülerinnen und Schülern, die in ihren Praktika und ihrer späteren Berufstätigkeit häufig mit behinderten Menschen arbeiten, vielfältige Anregungen zur Reflexion: Welche Einstellung habe ich gegenüber behinderten Menschen? Sind diese Einstellungen gerechtfertigt? Kann ich mich in die Situation Behinderter ausreichend einfühlen?

Regina Biber, StRin z.A.