Die "Gute Tat" 2017/18

2. Juli 2018: Ein großer Scheck für Kidro e.V.

 Scheckübergabe an Kidro e.V.
Übergabe des Schecks an Herrn Christian Fenn (3. v.l.)

 

Mittags im BBZ: im Eingangsbereich bieten freundliche Studierende der Klasse IIa u.a. Fruchtspieße, Muffins und verschiedene Blechkuchen an. Der Erlös dieses Verkaufs geht an die „Gute Tat", die im BBZ schon eine lange Tradition hat und jedes Jahr einer anderen sozialen Einrichtung zu Gute kommt. Die Studierenden haben den zur Verfügung stehenden Zeitrahmen praktisch bis zur letzten Minute ausgenutzt, gleich beginnt die Abschlussveranstaltung mit KlassensprecherInnen und weiteren Interessierten aus allen Klassen.

Im fast bis auf den letzten Platz gefüllten Hörsaal begrüßt der Fachbetreuer der Sozialpflege, StD Claus Berger, neben den Schüler/innen, Studierenden und Lehrkräften insbesondere den Vorstand des Vereins „Kidro e.V." Christian Fenn und erinnert an die Auftaktveranstaltung zur „Guten Tat" im Januar. Herr Fenn hatte damals einige Aspekte der Arbeit von Kidro vorgestellt, was auf großes Interesse gestoßen war und eine große Motivation bei den Vertretern der BBZ-Klassen bewirkte.

Wie sich diese Motivation in Aktionen der einzelnen Klassen niedergeschlagen hat, wird in einer Bilderschau deutlich. Bei diesen Bildern sieht man eine große Bandbreite der Angebote von Obstspießen über verschiedenste Salate und Kuchen oder Grillwürstchen sowie einer Tombola, man kann aber auch deutlich sehen, mit welcher Freude und welchem Einsatz die Klassen präsent waren.

Diesen Gedanken greift auch Claus Berger auf, der seine Freude darüber ausdrückt, an einer Schule wirken zu dürfen, an der Soziales Engagement noch wirklich gelebt wird und keine leere Worthülse ist. SchülerInnen machen Aktionen nicht für sich oder ihre Klassenkasse, sondern für Einrichtungen, die Menschen helfen und dazu finanzielle Unterstützung benötigen.

Nun kommt der spannende Augenblick: die Bekanntgabe des diesjährigen Erlöses. Nicht nur der Scheck, der hochgehalten wird, ist groß, sondern auch die Summe, die darauf steht: 4139 Euro! Ein Raunen geht durch die Reihen, dass von einem großen Applaus abgelöst wird.

Nach der Überreichung des Schecks geht das Wort an Christian Fenn, der sich zunächst für das Engagement und die große Spende bei Lehrkräften und vor allem den Schülern herzlich bedankt und erklärt, dass dem Verein das Geld sehr weiter helfen wird.

Herr Fenn beschreibt kurz den Verein KIDRO e.V. und seine Geschichte. Diese begann vor über 23 Jahren. Damals gab es am Bad Kissinger Marienplatz mehr oder weniger eine offene Drogenszene. Um dieser adäquat begegnen zu können wurde 1995 der KIDRO e.V. gegründet. Ein kleiner Verein mit einem einzigen Schwerpunkt: die örtliche Drogenszene. Und so verwundert es nicht, dass KIDRO die Abkürzung für Kissinger Drogenhilfe ist. 

Wenngleich KIDRO in all den Jahren seinen Namen behalten hat, so sind doch immer wieder neue, völlig unterschiedliche Aufgabenfelder hinzugekommen. Diese zeichnen sich im Wesentlichen bis heute durch zwei markante Gemeinsamkeiten aus. Zum einen reagierte KIDRO stets unbürokratisch und flexibel auf einen entstandenen Bedarf oder auf Veränderungen, zum anderen ist allen Arbeitsbereichen die „niedrigschwellige Arbeit" gemein. Das bedeutet, auch den Menschen Hilfe zu bieten, denen es schwerfällt, selbstständig eine Beratungsstelle aufzusuchen und den Zugang zu Hilfsangeboten so einfach wie möglich zu gestalten.

KIDRO begleitet Menschen, die Veränderungen in ihrem privaten und beruflichen Umfeld nicht alleine bewältigen können. KIDRO steht mit Menschen im Kontakt, die von Arbeitslosigkeit, Armut, Obdachlosigkeit, Schulden, Sucht oder Straffälligkeit betroffen sind. Der Verein gibt Orientierung, konkrete Hilfestellung und sinnvolle Beschäftigung.

Die fünf wesentlichen Arbeitsbereich werden von Herrn Fenn - unterstützt durch aussagekräftige Bilder - anschaulich dargestellt und erläutert:

Die fünf Arbeitsbereiche von KIDRO:

1. Die Wärmestube kann man mit einer Gaststätte vergleichen, allerdings für Menschen mit dem ganz kleinen Geldbeutel. An fünf Tagen in der Woche kann man sich dort aufhalten, Kaffee trinken oder sogar ein Mittagessen erhalten. Es besteht die Möglichkeit Wäsche waschen, sich selbst zu duschen oder aus der Kleiderkammer Kleidung zu beziehen.

2. Die Drogenhilfe zeichnet sich in erster Linie dadurch aus, dass sie die Menschen selbst aufsucht. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil es vielen Menschen schwer fällt von sich aus in die Beratungsstelle zu kommen. Zum Schwerpunkt der Arbeit gehört daher die Beratung in vielen Lebensfragen, bei Ämterkontakten und Gerichtsterminen. Aber auch die Motivation und Begleitung zum Ausstieg aus der Sucht, die Ersatzsstoffvergabe und Prävention an Schulen sind Schwerpunkte der Arbeit.

3. Beim Arbeitsprojekt KIP geht es darum, Langzeitarbeitslose langsam wieder an geregelte Arbeit heranzuführen. Insgesamt 19 Projektplätze stehen zur Verfügung. Die Teilnehmer sind im Wald beim Holzmachen aktiv, am Klaushof beim Füttern der Tiere und Reinigen der Ställe, beim Servicebetrieb der Stadt (Mülleimer leeren) ... Parallel werden die Menschen intensiv betreut, um auch ihre finanzielle, soziale und Wohnsituation zu verbessern.

4. Das Möbellager SOFA ist ein Second-Hand-Laden für Möbel. Die Mitarbeiter holen noch gute, gebrauchte Möbel kostenlos ab und verkaufen sie im Möbellager zu verhältnismäßig günstigen Preisen weiter. Dabei werden nicht nur soziale Bedürfnisse bedient, sondern das ganze Projekt kann man auch aus ökologischer Sicht positiv bewerten.

5. Außerdem steht dem Verein eine "alte" Sporthalle zur Verfügung. Dort kann man an mehreren Abenden in der Woche zum offenen Sportangebot kommen. Das gibt den Besuchern nicht nur die Möglichkeit ihre Freizeit sportlich zu gestalten, sondern dient vor allem auch der Integration. Denn zu diesem Angebot kommen nicht nur Einheimische, sondern auch Spätaussiedler und in jüngster Zeit viele Flüchtlingen. Vielleicht ist es deshalb gut, dass genau in dieser Sporthalle sogar das Freitagsgebet der Muslime stattfindet.

Herr Fenn lädt die SchülerInnen und Studierende ein, die Einrichtungen von KIDRO wie z.B. die Wärmestube bei einem Besuch weiter kennen zu lernen, was bei diesen auf offene Ohren stößt. Am Ende kann man feststellen, dass nicht nur der begünstigte Verein bei der diesjährigen „Guten Tat" gewonnen hat, sondern auch die Klassen des BBZ: durch die Erfahrung der gemeinsamen Projekte, der Erweiterung des kulinarischen Angebots in den Pausen und schließlich der Erweiterung des Horizonts bei Auftakt- und Abschlussveranstaltung. Gerade für Lernende in sozialen Berufen ist es wichtig, Herangehensweise kennenzulernen, wie man Menschen helfen kann, aus einer ungünstigen Lage herauszukommen.